Mohammad Al Attar

Über Damaskus, meine ruhelose und magische Stadt

Damaskus, Stadt der Sehnsucht

Es war vielleicht 1989 oder 1990 – ich war neun oder zehn Jahre alt –, als ich auf den Wollmarkt im Schaghour-Viertel ging, das ganz in der Nähe des jüdischen Viertels von Damaskus liegt. Laut Ausweis bin ich dort geboren, stamme also aus jenem Viertel der Stadt. Meinen Großvater habe ich nie kennengelernt, denn er ist lange vor meiner Geburt gestorben, und ein altes Damaszener Haus besaßen wir in jenem Viertel nicht. Vermutlich aber war es jener Besuch gewesen, der später in mir den dringenden Wunsch nach einer Erkundung der Stadt Damaskus wecken sollte. Da ich in einer der neuen Vorstädte mit ihren Streichholzschachtelhäusern aufwuchs, war diese mysteriöse Leidenschaft, die mich gepackt hatte, vielleicht eine Art, den Verlust darüber zu kompensieren, dass ich weit entfernt vom Herzen der Stadt lebte. Also nahm ich sie auf meine ganz eigene Art in Besitz und malte mir besondere Wegstrecken und Streifzüge aus, die den Berg der Stadt mit der Altstadt verbinden. Ich war auf der Suche nach verborgenen Plätzen, zu denen ich meine Freunde mitnahm und wo ich ihnen jedes Mal glücklich halb ausgedachte Geschichten und Informationen zum Besten gab. Freilich habe ich dabei keine neuen Sehenswürdigkeiten in der Stadt entdeckt, sondern nur der Vernachlässigung ihrer Details durch die von Sorgen geplagten Menschen getrotzt. Damaskus lag angespannt unter einer Decke aus Angst und Depression, die desto schwerer lastete, je mehr dieser taube, fahle, graue Zement den Anblick der Stadt dominierte.

Mit meinen Ausflügen wollte ich, der pubertierende Junge, unbedingt das Erstaunen über die bewegte Geschichte einer Stadt wiederentdecken, in der eine Nation auf die andere gefolgt war. Überall gab es Heiligengräber, an jeder Ecke die Ruhestätte eines Walis und in jeder Straße die Erinnerung an einen König oder Prinzen. Vom vernachlässigten Grab des kleinen Muawiya – dem Enkel des Gründers des Umayyadenreiches[1] – bis hin zum vergessenen Grab von Ibn al-Asakir[2], dem großartigen Historiker und Biografen von Damaskus, mitten auf einer Seitenstraße, bis zum Grab von Khaula bint al-Azwar[3] in einem kleinen Park außerhalb der Altstadtmauer und dem Grab von al-Farabi[4] in einer vernachlässigten Ecke des Bab al-Saghir-Friedhofs. All diese Gräber und Ruhestätten waren für mich, den Jugendlichen, in Wirklichkeit nur Wegweiser oder Stationen eines kurzen Aufenthalts auf meinen Touren, auf denen ich meine Begleiter beeindrucken und ihrem Erstaunen auflauern wollte. Später sollte ich indes die Entdeckung machen, dass die vernachlässigten Grabstätten, Schulen und alten Hospitäler, die noch den alten persischen Namen Bimarestan trugen, nicht unbedingt die beste Möglichkeit waren, die Aufmerksamkeit jener Mädchen zu wecken, denen ich zugetan war. Demzufolge wählte ich als Zufluchtsort die kleine, vor den Augen verborgene Schatta-Brücke im Muhadschirin-Viertel, dessen Gassen sich den Kassjun-Berg emporwinden.

Die Brücke hatte eine magische Wirkung auf meine ersten Stelldicheins mit jenen Mädchen, die mir gefielen. Obwohl sie alle in Damaskus lebten, wussten sie nichts von der kleinen Brücke am Fuße des Berges. Sie mochte wohl verdreckt und von allen Seiten von Wohnhäusern umgeben sein, für uns aber war sie doch eine Steinbrücke, auf der wir einige Momente verweilen und uns vorstellen konnten, in Paris, Rom oder Prag zu stehen! Manchmal nutzte ich den Augenblick, während wir unter der Brücke herliefen, um von dort zum Mastaba-Viertel zu gelangen, um verstohlen die Hand meines schüchternen Mädchens zu nehmen. Das Mastaba-Viertel war nach der Steinbank, Arabisch Mastaba, benannt, die auf Geheiß des osmanischen Walis von Damaskus in einem kleinen Park erbaut worden war, damit der deutsche Kaiser Wilhelm II während seines historischen Besuchs im Jahr 1898 die Stadt Damaskus von einem erhöhten Ort aus betrachten konnte. Den Park gibt es noch immer, und bis heute heißt er Kaiserpark, doch der Name trügt, denn heutzutage handelt es sich um ein bedauernswertes ausgetrocknetes Gelände, das von den umliegenden Wohnhäusern erstickt wird. Von Mastaba aus konnten und können wir jedoch noch immer einen Teil von Damaskus und der Ghouta sehen, den die Stadt umgebenden Grüngürtel, der kurz davor ist zu verschwinden. Denn im Gegensatz zu der Stadt Damaskus, die Wilhelm II vor eineinhalb Jahrhunderten bereist hatte, war unser Damaskus fahl und grau, und über der Stadt hing eine schwarze Rauchwolke. Aber wenn das Mädchen mich anschaute und nicht die Stadt, dann war das völlig bedeutungslos.
Später sollten zwei Personen diese Liebe zu den Stadtspaziergängen und das Malen von uns eigenen Landkarten mit mir teilen: O.K. und Omar Aziz, die nur wenig gemeinsam hatten. O.K. habe ich während des Abiturs kennengelernt; wir beide haben oft die Schule geschwänzt und uns bis Schulschluss stundenlang zusammen herumgetrieben. Er stammte aus einer konservativen islamisch-religiösen Damaszener Familie, wobei es sich um jene bekannte Damaszener Art von Religiosität handelte, die eine Mischung aus Offenheit und Diplomatie war. Zwar versuchte er immer, mich zum Beten zu überreden, wurde dabei jedoch nie aufdringlich. Allerdings überreichte er mir eines Tages das Buch Wegmarken von Sayyid Qutb[5]. Ich bekam einen Schreck und nahm es nicht an. Auch wenn O.K. keinesfalls ein Muslimbruder war, versuchte er bei jeder Gelegenheit, mich auf den rechten Weg zu bringen. Seinen Versuchen war allerdings kein Erfolg beschieden, und wir streiften gemeinsam durch die vergessenen Gassen der Stadt.

Omar Aziz hingegen war dreißig Jahre älter als ich. Ich hatte ihn durch ein paar Freunde im Damaszener Theaterinstitut kennengelernt. Er war Marxist mit einer Neigung zum Anarchismus, in seinem Gebaren und seiner Garderobe bewahrte er jedoch die Traditionen der im Aussterben begriffenen Damaszener Bourgeoisie. Omar hielt mich erfolglos dazu an, Antonio Negri und Michael Hardt zu lesen. „Mensch Omar“, sagte ich immer wieder zu ihm, „ich bin ein Mann des Theaters und der Literatur.“ Er war ein wunderbarer Freund, der das Umherstreunen in der Stadt genauso liebte wie ich, und ein Gesprächspartner bei den langen Plaudereien über die verschwundenen Kinos der Stadt und über das kulturelle Leben, das seit Ende der siebziger Jahre im Rückgang begriffen war.

Das Theater: Unsere Stadt in der Stadt

Nachdem ich im Jahr 2002 an der Universität von Damaskus das Studium der englischen Literatur abgeschlossen hatte, schrieb ich mich im Hohen Institut für Theaterstudien ein. Das Institut sollte der Mittelpunkt meines Lebens werden. Es war in einem außergewöhnlichen Bauwerk untergebracht und verfügte über einen schönen Garten. Ich glaube, dass das Institut für uns wie eine isolierte Insel innerhalb einer Stadt war, über die ein kompliziertes Geflecht der Überwachung herrschte, das die leisesten Atemzüge ihrer Bewohner vermerkte. Diese Insel stellte unseren Zufluchtsort dar, obwohl alles um uns herum uns stets daran erinnerte, dass auch wir der Beobachtung unterstanden. Denn mitten im Institutsgarten stand eine seltsame Statue von Hafez al-Assad, die einem zum Sprung bereiten Matador glich! Sie befand sich genau in der Mitte der Strecke zwischen unserem Institut und dem Opernhaus, das selbstredend „Assad-Haus“ hieß. Auf der anderen Seite des Instituts erhob sich das furchterregende Gebäude des Verteidigungsministeriums. Und natürlich lungerten vor dem Eingang zum Institut die Geheimdienstler herum.

Das Treiben im Institut aber lenkten uns von all dem ab und ließ uns auch vergessen, dass eine Stadt in der Größe von Damaskus zur Jahrtausendwende nur zwei Kinosäle und zwei richtige Theater hatte; Dutzende Kinos waren vernachlässigt worden und etliche Theaterbühnen nicht in Betrieb. Unsere Ambitionen als junge Theaterleute, Musiker, Cineasten und bildende Künstler wurden dadurch indes nicht besonders beeinträchtigt. Wir wussten, dass Damaskus auch das falsche Spiel beherrschte, und dass wir in der Lage wären, den Geist der Stadt hochzuhalten, der sich dem Königreich der Angst widersetzte, hatten wir doch unsere Vorbilder, denen wir nacheiferten: Theaterleute wie Nihad Kali, Fawwaz al-Sadschir und Saadallah Wannous, Regisseure wie Omar Amiralay und Osama Mohammad und Maler wie Luay Kayali, Nadhir Nabaa, Fatih al-Mudarris und Youssef Abdelke sowie Dichter wie Mohammad al-Maghout, Mamdouh Adwan und andere.

Im Jahr 2008 ergab sich die Gelegenheit. Die Stadt würde das größte Kulturereignis in ihrer modernen Geschichte ausrichten, denn Damaskus sollte arabische Kulturhauptstadt werden. Ein Komitee von unabhängigen Intellektuellen wurde ins Leben gerufen, das die Durchführung dieses Festivals übernehmen sollte. Das war etwas für Syrien noch nie Dagewesenes. Es hieß, dass für dieses Ereignis große Ressourcen zur Verfügung gestellt würden und dass die Regierung sich, ganz gegen ihre Gewohnheit, absolut nicht in die Arbeit des Komitees einmischen würde. Ich folgte der Einladung des Komitees, in dem Team mitzuarbeiten, das für das Theaterprogramm und die Darstellenden Künste verantwortlich sein sollte. Wir hatten große Träume und ambitionierte Pläne. Wir würden Peter Brook, Philipp Genty, Joseph Nadi und die Handspring Puppet Company einladen, außerdem Árpád Schilling und Fadel al-Jaayibi und andere. Am wichtigsten aber war, dass wir die vernachlässigten Theater wieder in Betrieb nehmen und alte Häuser und Werkstätten in kulturelle Räume und Galerien verwandeln wollten. Ja, unser Träume waren wirklich groß und unsere Pläne ambitioniert. Am Ende aber konnten wir nichts von alledem verwirklichen!

Das Jahr, in dem Damaskus arabische Kulturhauptstadt war, ging vorbei, und es war nichts als ein einjähriges Public-Relation-Festival gewesen. Das Regime hatte den Eindruck vermitteln wollen, die Isolierung, die nach der Ermordung von Rafik al-Hariri und dem erzwungenen Rückzug aus dem Libanon über das Land verhängt worden war, überwunden zu haben. Wir waren naiv genug gewesen zu glauben, dass man uns erlauben würde, tiefe Spuren in der Stadt zu hinterlassen und Orte und unabhängige Initiativen für die Kunst und Kultur ins Leben zu rufen. Doch Derartiges können Willkürregime nicht ertragen und nicht dulden, geht es ihnen doch nur ums Oberflächliche und rasch Vergängliche. Nur das haben sie in ihrem Sinn, der in erster Linie auf der Ausmerzung der Erinnerung basiert. Ja, Peter Brook und andere sind gekommen, haben ihr Werke aufgeführt und sind wieder abgereist. Fairuz ist gekommen und Carmen von Carlos Saura, Ziad al-Rahbani, Marcel Khalifeh und Anwar Brahim. Eine Ausstellung des Victoria and Albert Museum und andere wurden gezeigt. Aber wir haben es nicht geschafft, auch nur einen einzigen Ort wiederzubeleben! Oder irgendeine Art von Mechanismus für die zukünftige künstlerische und kulturelle Arbeit zu schaffen. Nach Ende des Jahres gingen wir auseinander, jeder von uns kehrte zu seinen individuellen Kampfplätzen zurück, um eine Kunst zu schaffen, mit der er sowohl dem schalldämpfenden Zement trotzte, welcher das Antlitz von Damaskus zerfraß, als auch der Unterdrückung und der Angst, die versuchte, die Seele der Stadt zu verschlingen.

In den letzten Jahren vor der Revolution spürte man, dass Damaskus tatsächlich austrocknete, und das Versiegen des Barada-Flusses war nur ein symbolischer Akt. Damaskus schwand mehr und mehr dahin, die Armut eroberte deutlich sichtbar die Außenbezirke, die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen dem Zentrum und dem Umland wurden immer größer, und die verarmten Ränder wuchsen. Damaskus drohte zu ersticken. Es gab ein allgemein verbreitetes, dunkles Gefühl, dass unweigerlich etwas geschehen müsse, eine Explosion, die einen Riss in der Mauer der Unterdrückung verursachte, die das Land fest im Griff hatte. Das Bedürfnis zu schreien wurde immer drängender, und dieses zu unterdrücken, hinterließ einen schmerzhaften Kloß in der Kehle.

Das Damaskus der Revolution

Am 15. März 2011 gingen ein paar junge Leute in der Nähe der Omayyaden-Moschee in Damaskus auf die Straße und forderten Freiheit und die Aufhebung des Ausnahmezustands. An jenem Tag hielt Damaskus den Atem an.

Drei Tage später kam es zur ersten Demonstration in der südsyrischen Stadt Deraa, auf der ähnliche Forderungen erhoben wurden. Und von jenem Tag an breiteten sich die friedlichen Demonstrationen, auf denen der Sturz des Regimes gefordert wurde, im ganzen Land aus.

Damaskus zögerte, sich den aufständischen Städten anzuschließen und beobachtete das marginalisierte Umland, in dem es allenthalben loderte. Die Stadt unterlag im wahrsten Sinne des Wortes einer Besatzung durch die Sicherheitskräfte, aber auch dem Kalkül ihrer Eliten, die in der Geschichte durch ihren Pragmatismus bekannt waren und immer verstanden hatten, geschickt zwischen Herrschaft und Kapital zu lavieren. Trotzdem konnte sich Damaskus unmöglich der Revolution fernhalten. In den Stadtvierteln Midan, Barzah, Rukn al-Din, Kabun und anderen kam es zu Demonstrationen, die genau wie im ganzen Land brutal unterdrückt wurden. Aber die jungen Leute skandierten zum ersten Mal in ihrem Leben Parolen, die sich von jenen unterschieden, bei denen der ewige Führer verherrlicht wurde. Sie konnten nicht wieder zurückweichen, nachdem sie ihre unterdrückten Stimmen einmal befreit hatten. Und weil es ihnen wegen der brutalen Unterdrückung nicht gelang, in der Stadt zu demonstrieren und die öffentlichen Plätze zu besetzen, ersannen sie als Antwort andere Methoden. So entwickelte sich der Protest – auch in Damaskus – zu einer neuen Kunstform. Eines Morgen etwa sahen die Bewohner der Stadt beim Aufstehen, wie die Fontänen des Brunnens auf einem der wichtigsten Plätze rotes Wasser spritzten. Die Sicherheitskräfte verloren die Nerven, sie drehten das hervorsprudelnde Wasser ab und stellten noch mehr Wachen auf. An einem anderen Tag stiegen zahlreiche Ballons in den Himmel und schwebten über der Stadt, die Aufschriften mit Aufrufen zur Freiheit und zum Sturz des Regimes trugen. Wieder an einem anderen Tag kullerten im Muhadschirin-Viertel, unweit des Tyrannen-Palastes, Tausende von Ping-Pong-Bällen den Berg hinunter, auf denen zum Sturz des Regimes aufgefordert wurde. Ich werde diesen grotesken Anblick, wie die grimmigen Sicherheitskräfte in ihren dunklen Anzügen hinter den Bällen herliefen und versuchten, sie zu packen, lange nicht vergessen. Im Afif-Viertel, neben der Grabstätte von Muhi al-Din Ibn Arabi[6], lebten in einem heruntergekommenen Haus drei junge Leute, ein Architekt, ein Musiker und ein Cutter, die in einem kleinen, mit Schaumstoffmatratzen isolierten Raum ein Lied aufnahmen, in dem sie über Baschar al-Assad und seine Schergen spotteten. Dieses Lied stellte für die Aufständischen den Auftakt dar, die Autorität des totalitären Regimes und seines halbgöttlichen Präsidenten mit Spott zu untergraben. Die drei jungen Leute, die sich die „starken Helden von Moskau“ nannten, sandten von jenem zerfallenen Haus die Hoffnung und das Lachen aus, und niemand wusste, wer sie waren.

Damaskus hatte also Freiheit geatmet – wenn auch nur ein kleines bisschen. Doch es genügte der Stadt und uns, um zu gewahren, dass die Schönheit in ihr nicht stirbt.

Die friedlichen Demonstrationen wurden immer brutaler durch das Regime unterdrückt, die Sicherheitskräfte setzten scharfe Munition ein und begingen Massaker, was Gegengewalt zur Folge hatte. Die Revolution, die im Jahr 2011 friedlich geblieben war, begann sich Anfang 2012 zu militarisieren. Es war eine unvermeidliche Reaktion auf die systematischen Gewalttaten des Regimes und die Enttäuschung darüber, dass die Welt dem syrischen Morden zuschaute.

Jetzt wird Syrien von der Gewalt zerstört. In den Berichten der internationalen Medien wird Syrien nur als Schauplatz für die Brutalität des IS erwähnt. Oder als Beschreibung einer humanitären Katastrophe, die außerhalb jedes Kontextes und jeder Geschichte stattfindet. Die Welt hat die Syrer im Stich gelassen, als sie sie der ungeheuerlichen Mordmaschinerie eines der anmaßendsten totalitären Regime der Welt überließ. Und heute lässt sie sie im Stich, wenn sie nicht ausführlich über die Ereignisse berichtet und ausklammert, dass es in Syrien tiefere Wahrheiten gibt als einfach nur das bösartige Abwägen zwischen einem religiösen Faschismus des IS und dem militärischen Faschismus des Assad-Regimes. Und wenn sie ignoriert, dass die Welt den Syrern dabei helfen muss, von beiden erlöst zu werden.

Heute ist Damaskus von Checkpoints des Geheimdienstes und des Militärs zerschnitten. Strom und Wasser sind stundenlang abgesperrt, die Preise enorm gestiegen, und die Armut in der Bevölkerung nimmt rapide zu. Damaskus schaut mit Schrecken auf ihre Schwester Aleppo und fürchtet, eine ähnliche Zerstörung zu erleiden.

Zu Beginn des Jahres 2012 habe ich O.K. und Omar Aziz zum letzten Mal getroffen. Wir hockten mit anderen Freunden zusammen, nachdem wir wegen der Unmenge von Sicherheitskräften und Regimeschergen vergeblich versucht hatten, im Midan-Viertel zu demonstrieren. Wir waren nervös, besorgt, aber nicht verzweifelt. Wir waren eine äußerst inhomogene Gruppe, doch der Traum von Freiheit hatte uns in einem Haus in Damaskus zusammengeführt.

Was von Damaskus bleibt

Am 12. März 2012 wurde O.K. vom syrischen Geheimdienst verhaftet und befindet sich bis zu diesem Zeitpunkt in Haft. Omar Aziz wurde am 20. November 2012 festgenommen. Er starb drei Monate später im Gefängnis. Ich aber bin aus Damaskus geflohen und ziehe seit jener Zeit von einem Exil ins andere. Damaskus aber wird die älteste und magischste Hauptstadt der Welt bleiben. Die Stadt wird uns alle überleben und uns als einen kleinen Teil in ihrem großartigen Gedächtnis bewahren.

Mohammad Al Attar
Syrischer Theaterschriftsteller und Dramaturg

 

Übersetzung aus dem Arabischen von Larissa Bender

[1] Muawiya ibn Abi Sufjan (602-680) war der erste Kalif der Umayyaden und Begründer dieser Dynastie, deren Hauptstadt Damaskus war.

[2] Ibn al-Asakir (1105-1175) war ein berühmte Wissenschaftler und Historiker, dessen bekanntestes Werk seine Gelehrtengeschichte von Damaskus ist.

[3] Khaula bint al-Azwar war eine der berühmtesten Frauen zur Zeit des Propheten Mohammad. Sie galt als mutige Kämpferin.

[4] Abu Nasr Muhammad al-Farabi (geboren um 872 in Otrar, Kasachstan; gestorben 950 zwischen Askalan und Damaskus, Syrien), war ein sehr berühmter muslimischer Philosoph und Gelehrter.

[5] Sayyid Qutb (1906-1966) war ein ägyptischer Journalist und Theoretiker der ägyptischen Muslimbruderschaft.

[6] Muhi al-Din Ibn Arabi (* 1165 in Murcia; + 1240 in Damaskus), war einer der bekanntesten arabischen Mystiker.

On Damascus: My Agitated and Restless City

Damascus the Passion

It was the year 1989 or 1990. I was nine or ten years old when I visited Souk al-Souf in the Shaghur neighborhood next to the Jewish quarter in Damascus.[1] This was my birthplace as it says on my id. That is, I come from this place in the city. My grandfather, whom I never met, died some years before I was born, and we did not own an old Damascene home in the neighborhood. I think that this visit unleashed a strong desire in me to discover Damascus later on. I lived in one of the new residential suburbs of the city, in one of its new buildings that resembled matchboxes. Perhaps the mysterious passion that haunted me was a way to compensate for the loss of living in the heart of Damascus, to own it in my own way, by mapping it through my private travails and trips that connect its mountain with its old city. I looked for hidden places, bringing with me friends, whom I happily entertained every time with half invented tales and information. Of course I did not discover any new monument in the city. I was defying the neglect of its details by its people who were preoccupied with their cumbersome lives.

Damascus was increasingly strained under a cover of fear and misery that increasingly weighed down on the city with the rising tempo of more pallid, gray and deaf cement. My journeys were an adolescent insistence to rediscover a sense of amazement for the rich history of the succession of nations on the city. In every place there is a shrine, in every corner the grave of a master, and in every street a memorial for a king or prince. From the neglected grave of little Muawiyah, who is the grandchild of Muawiyah, the founder of the Ummayad dynasty.[2] To the forgotten grave in the middle of a side road of Ibn ‘Asakir(1105–1175) the great historian who also wrote the biography of Damascus, to the grave of Khawlah bint al-Azwar[3] in a small garden outside the old city, to the grave of Al-Farabi (872-951), in a neglected place in the Bab Saghir cemetery.[4] Frankly, all those graves and tombs were no more than signposts or short places for breaks during my journeys as an adolescent. I used them to boast in front of my companions and to anticipate their amazement. I discovered after a while that neglected tombs, schools and ancient hospitals, or bimaristans,[5],were not the best way to attract girls, so the escape was the small and hidden Shattah bridge, in the Muhajirin neighborhood sprawled on the slopes of the Qasyun mountain. That bridge had a magic effect on the girls that I liked. All of them used to live in Damascus, but they did not know that on the slopes of its mountain there was a small bridge. Dirty perhaps, and surrounded by residential buildings from every side, but nevertheless it was a stone bridge. Here we could stand and imagine we were in Paris, Rome or Prague. Perhaps I would steal a moment to hold the hand of my shy girl as we passed underneath the bridge walking our way towards the Mastabah road. This road acquired its name from the Ottoman Wali of Damascus who ordered a mastabah, a stone bench, be built surrounded by a small garden to become a place that the great emperor of Germany, Wilhelm II, could rest and contemplate Damascus from an elevated place during his historic visit to the city in 1898. The garden is still there, and its name today is the Imperial garden, but it carries nothing of its name. It has become a depressing, deserted garden suffocated by residential buildings. But from the Mastabah, we could still view some of Damascus and its surrounding Ghoutas, or gardens,[6] which are almost extinct. In contrast to Damascus that Wilhelm II enjoyed a century and a half ago, our Damascus was pale, gray, and covered by a cloud of black soot. This was not so important if the girl was looking at me and not at Damascus.

In a later period, two people would share with me my passion for Damascene wandering, and of drawing our own special maps of the city. A.K. and Omar Aziz. Few are the things the two men share. I met A.K. during high school and we shared our repeated getaways from school to loiter for many hours until the school day was over. He was the son of a conservative Damascene family, with some Islamic airs, but in the known Damascene way, which means with a mixture of openness and diplomacy. He used to invite me to prayer, but without any nagging. One day he presented me with Ma’alim fi’l Tariq (Signposts on the Road) by Sayyid Qutb (1906-1966). I was petrified and did not take the book. A.K. was not a Muslim brother, that’s for sure, but he was trying to straighten me at every opportunity. He constantly failed, which kept our loitering in the forgotten alleys of Damascus our shared and memorable activity. Omar Aziz on the other hand was thirty years older. We met through a group of friends at the theater institute. He was an anarchist Marxist, but in his dress and demeanor he preserved the Damascene bourgeois conventions, which were becoming almost extinct. Omar uselessly seduced me to read Antonio Negri and Michael Hardt. I used to tell him “ya Omar, I am a man of theater and literature.” He was a great friend in his love for loitering about in the city, and we shared long hours of banter about the city’s cinemas that disappeared, and its cultural life that has diminished since the seventies.

Theater is our City inside the City

When I graduated from the Faculty of English Literature in Damascus in 2002, I enrolled in the Higher Institute for Dramatic Arts. The institute became almost my entire life. The institute had a distinguished building and a beautiful garden. For us the institute was an isolated island in the middle of a city dominated by a complex web of censorship that measured the smallest breaths of its inhabitants. This island was our refuge, in spite of everything around us that was prepared to remind us that we too were within reach of this censorship. In the garden of the institute there was a strange sculpture of Hafez Al-Assad looking like an alert matador.[7] The sculpture was placed mid distance between our institute and the Opera House, which would of course be called the Assad House! Facing the institute was an overwhelming building for the Ministry of Defense. And of course there were security personnel on the outer gate of the institute. Yet, the hallways of the institute kept us busy from all this, and it made us forget that a city the size of Damascus on the brink of the second millennium had no more than two active cinemas and theaters, while tens of other cinemas were marginalized, and the theaters remained dysfunctional or frozen and devoid of any activity. This did not affect our ambition greatly, as young theater, cinema, or plastic arts people. We also knew that Damascus was evasive and that we were capable in upholding its spirit that defied the republic of fear. We had examples to follow, men of the theater like Nuhad Qali, Fawwaz al-Sajir, and SaadallahWannus, film directors like Omar Amiralay and Ossama Mohammad and painters like Louay Kayali, Nazir Nabaa, Fatihal-Mudarris, and Yousef Abadalaki, and poets like Muhammad al-Maghut, Mamduh Adwan and others.

In 2008 we identified an opportunity. Damascus was about to host its biggest cultural event in its modern history: it will be the Arab Capital of Culture that year. A jury of independent intellectuals was chosen to administer the festival, and this was unprecedented in Syria. We were told that much resources will be put in this event, and that the authorities, contrary to established habit, would not interfere in the work of the administrative committee at all. I accepted the invitation of the committee to be a member of the team in charge of the Theater and Performing Arts program. We had big dreams and ambitious plans. We would invite Peter Brook and Phillip Genty and Joseph Nadj and Handspring Puppet Company, Árpád Schillingand Fadel al-Jaayibi’ and others. But most importantly we would rehabilitate old theaters and transform houses and old building sites to cultural spaces and galleries. We really had big dreams and ambitious plans. But in the end we did not accomplish any of it. Damascus Arab Capital of Culture came and went as a big public relations festival that lasted an entire year. The regime wanted from it the pretense that it was overcoming the isolation that was forced upon it after the assassination of Rafic al-Hariri that forced its pull-out from Lebanon. Back then, we were naïve when we believed that they would allow us to leave any lasting trace in the city, or to establish in it places and independent initiatives for culture and art. This is intolerable and not permitted for tyrannical regimes; for they prefer transient things that vanish quickly. This fits its taste that is built firstly by erasing memory. Yes Peter Brook and others came, they performed their shows and left. Fairuz also came, and Carlos Saura’s Carmen, Ziad Rahbani, Marcel Khalife, Anwar Brahem, and a visiting exhibition from the Victoria and Albert, and others. But we failed to rehabilitate a single place, or to create sustainable mechanisms for artistic work and independent culture. We dispersed after the year ended. Each of us went back to his individual battles to make an art that resisted the silencing cement that ate away the face of Damascus, and the fear and oppression that was trying to swallow from its soul.

In the last years before the revolution, one felt that Damascus was indeed drying out, and the drying up of its river, Barada, was but a symbolic case. Damascus was waning more and more, poverty was obviously invading its extremities, and the economic differences between its central streets and its outskirts were widening immensely. Its impoverished margins were inflated; Damascus was almost suffocated. There was a general ambivalent feeling that something must happen—an explosion that can create a fissure in the wall of repression that was cast down on the country. The need to scream was enormous, and its repression left a painful gulp.

Damascus the Revolution

On March 15, 2011, a group of young men and women demonstrated next to the Umayyad mosque in Damascus demanding liberty and the lifting of emergency laws. Damascus held its breath that day. Three days later, demonstrations in the Southern city of Daraa came out with similar slogans, and from then on the peaceful demonstrations kept expanding across the entire country demanding the fall of the regime.

Damascus remained hesitant about following the rest of the resisting cities. It closely observed its marginalized provinces that were completely ablaze. The city is literally under security occupation, but it is also under the calculations of its elite, who have been known through out the ages for their pragmatic expertise in balancing between power and capital. Despite this, it was impossible for Damascus to refrain from the revolution. Demonstrations came out in the streets of Midan, Barzah, Rukn al-Din, al-Qabun and others.[8] They were cruelly crushed as in other places in the country. But young men and women chanted for the first time in their lives slogans that are different from the slogans that glorified the eternal leader. It was difficult for them to retreat after they had liberated their suffocated voices. When it became difficult to demonstrate and to occupy the public squares and places because of the ferocity of repression, the response came in new ways. Protesting became also an art in Damascus.

The inhabitants of the city wake up one day to witness all the fountains in the main squares pumping red blood water. The security men went crazy trying to stop the pumps and heavily guard the place. Another day many balloons were let out to fly over the city skies with the slogans of liberty and the fall of the regime. Another day, in the Muhajirin street, and close to the palace of the tyrant, thousands of ping pong balls were rolled out with slogans that call for his downfall. I still carry this bizarre scene of the fierce security men in their dark suits as they run around after the ping pong balls and try to catch all of them. In the Afif street and next to the grave of Muhyiddin ibn Arabi,[9] in a decrepit house, three young men, an architect, a musician and a film editor are recording in a small room that they isolated with sponge mattresses, a song that made fun of Bashar al-Assad and his shabiha.[10] This song launched the wide use of irony among the protestors as a tool to dismantle the hegemony of the totalitarian regime and it leader, the demi-god. The guys identified themselves as “The Strong Heroes of Moscow,” and they gave people hope and laughter from that house without anyone knowing who they were.

Damascus then breathed freedom, if only a whiff of it, but this was enough for it to discover, and we to discover with it, that beauty does not die.

The repression of peaceful civilians became more ruthless. The security forces used live ammunition and committed massacres. This caused counter-violence. The revolution that remained peaceful throughout 2011 began to be militarized in 2012, in a reaction that was not possible to avoid given the systematic brutality of the regime and the neglect of the world that merely observed the Syrian massacre. Today violence is destroying Syria. Syria is no longer on the international news except as a theater for the violent operations of ISIS, or as a human tragedy without context or history. The world failed the Syrians when it left them alone in the face of the horrible death machine of one of the world’s most imperious totalitarian regimes. And it fails them today when it does not recount their full story. It disregards that in Syria the facts are deeper than a feeble preference between a religious fascism represented by ISIS and a military fascism represented by the Assad regime, and when it disregards that the world must help the Syrians to be delivered from both of them.

Damascus today is a city that is disconnected with checkpoints and the army. Electricity and water are cut for hours on end, the prices of commodities have increased dramatically, and people’s destitution has generally increased. Damascus looks at its sister town Aleppo with dread and fears that it will also undergo a similar mass destruction.

Damascus that Remains

In the beginning of 2012 was my last meeting with A.K. and Omar Aziz. We were together with other friends gathered after we failed to demonstrate in Midan neighborhood that day because of the concentration of security men and shabiha. We were nervous, anxious, but we were not in despair. Our group was diverse up to the level of contradiction, but the dream of freedom gathered us in a Damascus house.

On 12 March 2012, the security forces arrested A.K., who remains in detention until today. On 20 November 2012, the security forces arrested Omar Aziz as well, who died in prison three months after his arrest. As for me, I escaped from Damascus, and since then I am moving from one exile to the next. As for Damascus, it will stay the oldest and most magical capital. It will remain after all of us, and it will fold us into a slight part of its great memory.

Mohammad Al-Attar
Syrian Playwright and dramaturge

 Translated by Rana Issa

[1]Damascus is known for its old and specialized souks. Souk al-Souf means the woolmarket.

[2]Muʿāwiyahibnʾ Abī Sufyān (602 –680) was the founder of the Ummayad Dynasty that had its seat in Damascus until they were toppled by the Abbasids around 746. One of its branches remained at the helm of the Caliphate in Cordoba, Andalusia until 1031.

[3]Khawla bint al-Azwar is one of the most important women from the time of the Prophet Muhammad. She is known to have been a fierce warrior who had a prominent position in the famous battle of Yarmuk against the Byzantines in 636.

[4]The great philosopher al-Farabi is a foundational Islamic thinker who is known for his erudition and knowledge of the Greek philosophers. He left many texts of argumentations in logic, mathematics, ethics, medicine, politics, and theology.

[5]Bimaristan is an ancient hospital. The word is Persian and has been loaned into Arabic at the time of the Ummayads and remains an important landmark in medical history.

[6]Ghouta has become the name of the neighborhoods by the Barada river. Originally the word means oasis. Historically the Ghouta has been agricultural landscape known for its fertile gardens and farms.

[7] Sculptures of the regime founder, Hafez al-Assad, became customary after the man came to power in 1971. Together with his portraits, and with naming important institutions after him, the practice literally surrounded most of Syria’s corners and alleyways with pictures of the dictator. Bashar, his second son succeeded him upon his death in 2000, after a constitutional amendment was made to legitimitze the 34 year old son’s political inheritance of Syria and its people.

[8] These are all streets and areas within the city.

[9]Muhyiddin ibn Arabi is a great mystic, poet, spiritual leader and philosopher. He was born in Murcia, al-Andalus in 1165. His universalist wisdom and trans-religious ethic remains especially relevant in the realm of ethics and philosophy today. He immigrated to Damascus with the fall of the Ummayad Dynasty in Andalusia, and was buried in the city in 1240.

[10]Shabiha is a term used by anti-regime groups to denote the para-military bands that the Assad regime has put together to terrorize the population. The word has acquired sinister connotations of barbaric violence perpertrated by strongmen who do not represent any lawful institution and whose effect is precisely in their capacity for lawless behavior. Before the revolution, these strongmen comprised smuggler networks and bands of criminals that were notoriusly kept under regime protection.

 

Damasco sta scomparendo a causa nostra

La Damasco della passione

Era il 1989 o forse il 1990. Avevo nove o dieci anni quando visitai Suq al Suf[1], nel quartiere al-Shaghur, accanto al quartiere ebreo di Damasco. Quello è il mio luogo di nascita secondo il mio documento d’identità, ossia sono originario di quella parte della città. Mio nonno, che non ho mai conosciuto, scomparve anni prima che io nascessi, e non possedevamo alcuna casa antica damascena in quel quartiere. Forse fu quella visita a scatenare in me, in seguito, il forte desiderio di scoprire Damasco, mentre vivevo in uno dei nuovi quartieri residenziali della città, in uno dei palazzi che somigliavano a degli scatoli di fiammiferi. Forse questa passione misteriosa era per me una maniera di rimediare al fatto di vivere lontano dal cuore di Damasco: volevo possederla a modo mio, creando i miei itinerari privati, passando dalla montagna alla città antica, cercando posti nascosti. Portavo con me qualche amico, ed ero ogni volta più felice di raccontare storie sulla città, inventandomi la metà delle informazioni di testa mia. Chiaro che non scoprii nessun nuovo monumento in città, cercavo solo di attirare l’interesse della gente, preoccupata solo per le minuzie della propria vita.

Damasco giaceva sotto una coltre di paura e angoscia che diveniva sempre più pesante, a mano a mano che la città veniva ricoperta di pallido, grigio, sordo cemento.

Le mie passeggiate erano un tentativo adolescenziale di lasciarmi sorprendere dalla ricca storia delle dinastie che governarono la città. In ogni posto c’era un santuario, in ogni angolo la tomba di un protettore, in ogni strada il ricordo di un re o un principe. Dalla tomba abbandonata del piccolo Muʿawyiah, nipote di Muʿawyiah, fondatore della dinastia degli Omayyadi[2], alla tomba di IbnʿAsakir (1105–1175), il grande storico che scrisse la biografia di Damasco, dimenticata nel mezzo di una strada laterale. La tomba di Khawlah Bint al-Azwar[3], in un piccolo giardino situato fuori le mura della città antica e la tomba di Farabi (872-951),[4] in un angolo trascurato nel cimitero di Bab Saghir. In realtà da adolescente vedevo questi cimiteri e tombe solo come tappe per soste momentanee durante le mie escursioni. Li usavo per vantarmi dinanzi ai miei compagni o per osservare il loro stupore. In seguito, scoprii che le tombe dimenticate, le scuole, gli ospedali o i bimaristans[5] non erano il luogo migliore dove corteggiare le ragazze. Trovai rifugio sul piccolo e nascosto ponte di Shatta, nel quartiere Muhajirin, i cui vicoli si estendono ai piedi del monte Qasiyun. Al primo appuntamento, il ponte aveva un effetto magico sulle ragazze. Tutte vivevano a Damasco, ma nessuna di loro sapeva che alle pendici del monte vi fosse un piccolo ponte. Sporco, circondato da edifici residenziali da ogni lato, ma era pur sempre un ponte di pietra. Qui potevamo fermarci per qualche attimo e immaginare di essere a Roma, Parigi o Praga! Potevo persino approfittare dell’attimo in cui passavamo sotto il ponte per afferrare la mano della mia timida ragazza, mentre eravamo diretti al quartiere Mastabah. Il nome del quartiere deriva dal fatto che il protettore Ottomano di Damasco ordinò una mastabah, una panchina di pietra, circondata da un piccolo giardino, dove l’imperatore Wilhem di Germania potesse sedersi per ammirare Damasco dall’alto, durante la sua visita storica alla città nel 1898. Il giardino è ancora li, è chiamato oggi ‘Il giardino dell’Imperatore’, ma non rimane nulla del suo nome. E’ diventato deprimente, deserto, soffocato dagli edifici residenziali.

Dalla Mastaba potevamo ancora vedere qualcosa di Damasco e dei giardini circostanti di Ghouta[6], che sono quasi del tutto scomparsi. Al contrario della Damasco che vide Wilhem II un secolo e mezzo prima, la nostra Damasco era pallida, grigia, e coperta da una nube di fumo nero. Ad ogni modo, non importava se la ragazza guardasse verso di me e non verso Damasco.

In seguito, due persone hanno condiviso la mia passione per le escursioni a Damasco e i miei itinerari: A.K. e Omar Aziz. Vi erano poche cose che li accomunavano. Incontrai A.K. alle scuole superiori e condividemmo numerose fughe e vagabondaggi, in attesa che finisse la giornata scolastica. Apparteneva ad una famiglia damascena conservatrice di ispirazione islamica, ma alla maniera damascena, ovvero con una certa apertura e discrezione. M’invitava alla preghiera, ma senza troppe insistenze. Un giorno mi mostrò Maʿalim fi’l Tariq (Pietre Miliari) di Sayyid Qutb (1906-1966). Rimasi atterrito e non presi neppure il libro. A.K. non era un fratello musulmano, questo è sicuro, ma cercava di riportarmi sulla retta via ad ogni occasione. Falliva puntualmente perciò i vagabondaggi tra i vicoli dimenticati di Damasco rimasero la nostra preferita attività in comune. Omar Aziz, invece, aveva trent’anni in più di me. Ci incontrammo tramite un gruppo di amici all’istituto di teatro. Era di formazione marxista, con tendenze anarchiche, ma nel suo modo di vestire e di comportarsi manteneva le tradizioni della borghesia damascena, ormai in via di estinzione. Omar mi sedusse più volte con la lettura di Antonio Negri e Michel Hardt, ma senza successo. Gli dicevo: ”Omar, sono un uomo di lettere e teatro”. Era un grande amico; condividevamo l’amore per le peregrinazioni in città e chiacchieravamo a lungo sui cinema della città che andavano scomparendo, e sulla vita culturale che si era affievolita dagli anni ‘70.

Il teatro, la nostra città nella città

Dopo aver conseguito la laurea presso la facoltà di Lettere di Damasco nel 2002, mi iscrissi all’Istituto Superiore di Arti Drammatiche. L’istituto divenne quasi il fulcro della mia vita. Aveva un edificio e un giardino stupendo. Credo che per noi l’istituto fosse un’isola felice nel mezzo di una città dominata da una complessa rete di censura che misurava il più tenue respiro dei suoi abitanti. L’isola era il nostro rifugio, nonostante tutto ci ricordasse che noi non fossimo esenti da questa censura. Nel giardino dell’istituto vi era una statua di Hafez Al-Asad che somigliava a un attento mattatore.[7] La statua era a metà strada tra l’istituto e l’Opera, che si chiamava, ovviamente, “Casa di al-Asad”. Di fronte all’istituto vi era il temibile edificio del Ministero della Difesa. Naturalmente vi erano agenti di sicurezza davanti al cancello esterno dell’istituto. Tuttavia, i corridoi dell’istituto ci distraevano da tutto ciò, non facendoci pensare al fatto che una città come Damasco, all’inizio del secondo millennio, ospitava forse solo un paio di cinema e teatri funzionanti, mentre decine di cinema erano abbandonati e i teatri restavano danneggiati, congelati e privi di ogni attività. Tutto questo non scoraggiava noi giovani drammaturgi, musicisti, cineasti e pittori. Sapevamo che Damasco era una città ingegnosa e che noi potevamo sollevare l’animo di coloro che si opponevano al regime di paura. Avevamo numerosi esempi da seguire, come i drammaturgi Nuhad Qalʿi, Fawwaz al-Sajir e Saʿadallah Wannus, registi come Omar Amiralay and Ossama Muhammad, pittori come Louay Kayali, Nazir Nabaa, Fatihal-Mudarris, poeti come Muhammad al-Maghut, Mamduh Adwan e altri. Nel 2008 si presentò un’occasione. Damasco avrebbe ospitato il più grande evento culturale nella storia moderna: sarebbe stata nominata la capitale araba della cultura. La giuria organizzativa era composta da intellettuali indipendenti, un fatto senza precedenti in Siria. Ci fu detto che sarebbero state devolute numerose risorse all’organizzazione e che le autorità, a contrario di quanto avveniva di solito, non avrebbero interferito nell’organizzazione. Accettai l’invito della commissione a far parte del gruppo responsabile per il programma teatrale e le arti performative. Avevamo grandi sogni e progetti ambiziosi. Avremmo invitato Peter Brook, Phillippe Genty e Joseph Nadj, la Handspring Puppet Company, Árpád Schilling, Fadhel Jaibi e altri. Inoltre, ancora più importante per noi, avremmo riabilitato i vecchi teatri e avremmo trasformato case e antichi edifici in spazi culturali e gallerie. Avevamo davvero grandi sogni e progetti ambiziosi. Eppure alla fine non ne realizzammo neanche uno! Damasco Capitale della Cultura Araba divenne un enorme festival di pubbliche relazioni che andò avanti per un anno intero, un tentativo del regime di ritirarsi dall’isolamento successivo all’uccisione di Rafik Hariri, che ne aveva causato il ritiro forzato dal Libano. Eravamo stati ingenui a credere che ci permettessero di lasciare qualsiasi traccia profonda sulla città, o di fondare luoghi o iniziative per l’arte e la cultura. Tutto ciò è intollerabile e inammissibile per un regime tirannico. Il regime preferisce cose passeggere che svaniscono presto. Questo rispecchia il suo gusto, basato sulla cancellazione della memoria. Sì, Peter Brook e gli altri vennero, presentarono i loro spettacoli e se ne andarono. Anche Fairuz venne, la Carmen di Carlos Saura, Ziad Rahbani, Marcel Khalife, Anouar Brahem, una mostra itinerante del Victoria and Albert Museum e altro. Tuttavia non riuscimmo a riabilitare un singolo spazio, o a creare un sistema sostenibile per l’arte e la cultura indipendente. Ci separammo al termine di quell’anno e ognuno di noi ritornò alle proprie battaglie personali, a creare un’arte capace di resistere al cemento massiccio che stava mangiando la faccia della città di Damasco, e alla paura e l’oppressione che provavano a ingoiarne l’anima. Negli ultimi anni prima della rivoluzione, la gente sentiva che Damasco si stava prosciugando, e il prosciugamento effettivo del fiume Barada ne fu il segno. Damasco s’inaridiva sempre più, la povertà ne stava chiaramente invadendo le estremità, la differenza economica tra i quartieri centrali e la periferia si accentuava sempre più, i sobborghi impoveriti si allargavano, Damasco stava quasi per soffocare. Vi era una sensazione generale ambigua che qualcosa dovesse accadere, un’esplosione che creasse una fessura nel muro di oppressione che cingeva la città. Il bisogno di urlare divenne irreprimibile, e il suo soffocamento lasciò un rantolo di dolore.

La Damasco della rivoluzione

Il 15 marzo 2011 un gruppo di giovani uomini e donne fece una manifestazione accanto alla moschea omayyade di Damasco per chiedere libertà e l’annullamento della legge di emergenza. Damasco trattenne il respiro quel giorno. Tre giorni dopo, nella citta di Daraʿa nel sud del paese, si tennero manifestazioni in cui si recitavano simili slogan. Da quel momento in poi, le manifestazioni pacifiche contro il regime si estero in tutto il paese.

Damasco esitò nel seguire il resto delle città in rivolta. Osservava le province che erano in pieno tumulto. La citta è totalmente sotto il controllo della sicurezza e delle classi agiate, che si sono distinte attraverso gli anni per l’abilità di bilanciare potere e capitale. Nonostante ciò, era impossibile per Damasco astenersi dalle proteste. Si tennero manifestazioni tra le strade di Midan, Barzah, Rukn al-Din, al-Qabun e altre ancora.[8] Furono duramente represse, come in altri luoghi della città. Ragazzi e ragazze per la prima volta intonarono slogan diversi da quelli che glorificavano l’eterno leader. Era difficile per loro ritirarsi dopo aver dato sfogo alla rabbia repressa. Quando divenne difficile manifestare, occupare piazze e luoghi pubblici a causa della feroce repressione del regime, la rivolta assunse una veste nuova. Manifestare divenne anche un’arte a Damasco.

Un giorno gli abitanti della città si svegliarono e videro che le fontane versavano acqua dal colore del sangue. Gli uomini della sicurezza stavano per impazzire nel tentativo di fermarla e vigilare sul posto intensamente. Un altro giorno furono lanciati numerosi palloncini al cielo, recanti slogan che invocavano la libertà e la caduta del regime. Un altro giorno, nel quartiere di Muhajirin, accanto al palazzo del tiranno, furono lanciate migliaia di palline da ping-pong su cui vi erano scritti gli stessi slogan. Ricorderò a lungo la scena bizzarra in cui gli agenti della sicurezza, in abito scuro formale, correvano dietro le palline da ping-pong e tentavano di afferrarle tutte. Nel quartiere Afif, accanto alla tomba di Muhyiddin Ibn Arabi[9], in una casa decrepita, tre uomini, un architetto, un musicista e un montatore cinematografico, in una piccolo stanza le cui pareti erano insonorizzate con la spugna di un materasso, registrarono una canzone che ironizza su Bashar al-Asad e la sua shabiha[10]. Questa canzone scatenò tra i manifestanti l’uso della satira come strumento per minare l’egemonia del regime totalitario e il suo leader, il semi-dio. I ragazzi si firmarono come ‘I forti eroi di Mosca’ e donarono alla gente speranza e risate, senza mai rivelare la loro reale identità.

Damasco respirò la liberta e questo fu sufficiente per capire che la sua bellezza non muore.

La repressione delle manifestazioni divenne brutale. Le forze di sicurezza usarono proiettili e commisero massacri. Questo scatenò una risposta violenta. La rivoluzione che rimase pacifica durante tutto il 2011 divenne militarizzata nel 2012, una reazione impossibile da evitare, data la brutalità del regime e l’indifferenza del mondo che rimase ad osservare il massacro siriano. Oggi la violenza sta distruggendo la Siria, che non compare tra i reportage giornalistici o le notizie internazionali, se non quale teatro delle operazioni violente di Isis, o come una tragedia umana senza contesto né storia. Il mondo ha sbagliato con i Siriani perché li ha lasciati soli di fronte all’orribile macchina assassina di uno dei più terribili regimi dittatoriali della storia, e continua a sbagliare perché non racconta l’intera versione della storia. Non tiene conto del fatto che in Siria la situazione è più complessa di una vile preferenza tra il fascismo religioso di Isis e il fascismo militare del regime di Assad. Trascura che bisogna aiutare i Siriani a liberarsi di entrambi.

Oggi Damasco è una citta ostruita da esercito e checkpoint. L’erogazione di acqua ed elettricità è interrotta per ore, il prezzo dei beni di consumo è aumentato in maniera tragica e la gente ha cominciato ad arrendersi sempre di più. Damasco guarda sua sorella Aleppo col terrore e la paura di subire la stessa distruzione di massa.

All’inizio del 2012 ho incontrato per l’ultima volta A.K. e Omar Aziz. Eravamo insieme ad altri amici. Ci eravamo riuniti per manifestare nel quartiere Midan, ma la fitta presenza delle forze di sicurezza e della shabiha ce lo avevano impedito. Eravamo nervosi, preoccupati, ma non disperati. Il nostro gruppo era diverso al punto della contraddizione, ma il sogno della libertà ci aveva riunito in una casa damascena.

La Damasco che rimane

Il 12 Febbraio 2012 A.K. fu arrestato dalle forze di sicurezza, e resta ancora in detenzione. Il 20 novembre 2012 la sicurezza arrestò anche Omar Aziz, morto in prigione tre mesi dopo il suo arresto. Quanto a me, sono scappato da Damasco e da quel momento mi muovo da un luogo di esilio all’altro. Damasco resta la capitale più antica e magica. Rimarrà dietro tutti noi e ci avvolgerà come un piccolo frammento della sua grande memoria.

Mohammad Al Attar,
commediografo e drammaturgo siriano.
Traduzione di Teresa Pepe

[1] Damasco è nota per i suoi antichi mercati. Suq al-Suf è il mercato della lana.

[2] Muʿawiyah Ibn Abi Sufyan (602 –680) fu il primo califfo della dinastia ommayade che mantenne la sua capitale a Damasco fino a che fu sconfitta dagli Abbasidi nel 746. Uno dei suoi rami rimase alla guida del califfato di Cordoba, in Andalusia, fino al 1031.

[3] Fu un importante figura femminile al tempo del profeta Muhammad. Si distinse come feroce guerriera nella famosa battaglia di Yarmuk contro i Bizantini nel 636.

[4] Filosofo e pensatore islamico noto per la sua erudizione nel campo della filosofia greca. Ha scritto numerose opere di logica, matematica, etica, medicina, politica e teologia.

[5] Antico ospedale. Il termine è di origine persiana e il suo uso risale ai tempi della dinastia omayyade.

[6] Quartiere circostante il fiume Barada. Il termine in origine significa ‘oasi’. Il quartiere è noto storicamente per i suoi giardini fertili e le sue fattorie.

[7] La costruzione di statue del fondatore del regime Hafez al-Assad è diventata una consuetudine dopo la sua ascesa al potere nel 1971. Inoltre le città sono inondate dei suoi ritratti e il suo nome viene spesso attribuito alle istituzioni importanti. Bashar, suo secondo figlio, lo ha succeduto al potere nel 2000, dopo che un emendamento costituzionale ha permesso di abbassare da 40 a 34 anni l’età minima per essere eletti presidente.

[8] Nomi di strade e quartieri della città.

[9] Mistico, poeta, e filosofo. Nato a Murcia, in Andalusia nel 1165. Emigrato a Damasco dopo la caduta della dinastia omayyade in Andalusia e seppellito nella stessa città nel 1240.

[10] Termine usato dai gruppi anti-regime per indicare le bande paramilitari che al-Asad ha costituito per terrorizzare la popolazione. Il termine ha acquisito connotazioni sinistre di violenza barbarica per indicare uomini in abiti civili che attaccano i manifestanti durante le proteste contro il regime. Prima della rivoluzione il termine indicava le bande di teppisti che erano sotto la protezione del regime.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>